Sachsen

Sächsisches Staatsministerium für Kultus
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01097 Dresden

Land

Landesstrategie

E-Mail: Anna Karina Sepsi

Tel.: 0351/564-67513

Handlungsleitend für den Freistaat Sachsen im Handlungsfeld Alphabetisierung und Grundbildung sind die Ziele der „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026“ von Bund und Ländern.

Um die Lese- und Schreibkompetenzen sowie das Grundbildungsniveau Erwachsener in Deutschland anzuheben, haben sich alle Partner auf gemeinsame Ziele und ein „Grundsatzpapier der Nationalen Dekade 2016-2026" geeinigt. Die Länder verfolgen für die Umsetzung die in einem „10-Punkte-Programm“ vereinbarten Ziele mit ihren jeweiligen Instrumenten und Maßnahmen.

Auch die gemeinsame Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) lenkt zur Bewältigung des digitalen Wandels in der Arbeitswelt den Fokus auf Maßnahmen der Grundbildung für die Zielgruppe geringer qualifizierter Erwerbsfähiger.

Die strategische Weiterentwicklung der sächsischen Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit erfolgt im Rahmen der Erarbeitung einer Landesstrategie für Alphabetisierung und Grundbildung für den Freistaat Sachsen für Alphabetisierung und Grundbildung bis 2026 sowie darüber hinaus.

Förderprogramme

Neben der gesetzlich geregelten allgemeinen Weiterbildungsförderung von anerkannten Trägern wie den Volkshochschulen, anerkannten freien Trägern und Landesorganisationen hat der Freistaat Sachsen für Maßnahmen der Alphabetisierung und Grundbildung spezifische Förderprogramme aufgelegt, welche kontinuierlich drei strategische Säulen sichern:

  • die flächendeckende Bereitstellung von vielfältigen bedarfsgerechten, auch niederschwelligen offenen Beratungs- und Lernangeboten,
  • die landesweite Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie
  • die Vernetzung der Akteure.

Das Thema „geringe Literalität“ ist dank der vielschichtigen Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Akteure sowie ALFAplus , der Koordinierungsstelle Alphabetisierung und Grundbildung in Sachsen, in der Fachöffentlichkeit und der übrigen Bevölkerung bekannter und verständlicher geworden. In einer Vielzahl von Workshops wurden Mitarbeitende von Agenturen für Arbeit, Jobcentern, sozialen Anlaufstellen und Bildungsträgern für das Thema sensibilisiert und zur Ansprache und Beratung von betroffenen Menschen geschult.

Vielfältige Trägerlandschaft

Die Alphabetisierung und Grundbildung in Sachsen ist durch eine spezifische und vielfältige Trägerlandschaft und viele engagierte Akteure gekennzeichnet. Dazu gehören neben der Koordinierungsstelle ALFAplus  die zahlreichen Dozenten und Dozentinnen sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in den Kursen, offenen Lerntreffs und Projekten der anerkannten und freien Weiterbildungsträger sowie weitere Netzwerkpartner aus den unterschiedlichsten sozialräumlichen Einrichtungen und Behörden, insbesondere Jobcenter und Arbeitsagenturen. Wichtige Akteure und Partner sind ebenso die Technische Universität Chemnitz und die Evangelische Hochschule Dresden, die mit Forschung und wissenschaftlicher Begleitung zur Stärkung der Alphabetisierungs-und Grundbildungsarbeit beitragen.

In der vorhandenen Angebotsvielfalt können Interessenten z. B. in Volkshochschulkursen und in festen Lerngruppen bei verschiedenen freien Weiterbildungsträgern, in niederschwelligen Angeboten der Grundbildungszentren oder in den offenen Lerntreffs und in Mehrgenerationenhäusern lernen und Unterstützung erhalten.

Grundbildungszentren

2024 wurden sieben Vorhaben zur modellhaften Erprobung von Grundbildungszentren bewilligt. In sieben Landkreisen übernehmen die Träger der regionalen Grundbildungszentren nun die Vernetzungs- und Informationsaktivitäten und gestalten niederschwellige Beratungs- und Lernangebote. Diese Vorhaben werden seit Januar 2025 durch eine wissenschaftliche Begleitforschung der TU Chemnitz betrachtet und unterstützt. Ziel der Modellprojekte und der Begleitmaßnahmen ist es, neue Ansätze für die Ansprache und Lernsettings von Betroffenen zu erproben, praktische Erfahrungen zu sammeln und regionale Gelingensbedingungen für eine bedarfsgerechte Grundbildungsarbeit abzuleiten.

ESF-Kurse

Kursangebote sind über die ESF-Plus-Förderrichtlinie des Kultusministeriums mit EU- und Landesmitteln zur Kofinanzierung bis zu 100 Prozent gefördert. Sie ermöglichen eine kostenfreie, kurz-und längerfristige, bis zu dreijährige Teilnahme an Alphabetisierungskursen, um Arbeitsmarktchancen und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu verbessern. Das SMK sowie die Koordinierungsstelle ALFAplus pflegen verschiedene Formate der Zusammenarbeit, um mit allen Akteuren im Austausch zu aktuellen fachlichen Erkenntnissen zu stehen, gute Praxis bekannt zu machen und konkrete Maßnahmen abzustimmen.

Weitere Lernangebote

Die 15 Volkshochschulen im Freistaat Sachsen halten vielfältige Lernangebote zum Erwerb von Grundkompetenzen sowie spezifische Angebote in einfacher Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Kursformaten vor. Zudem werden offene Angebote wie Lerntreffs in Kooperation mit sozialräumlichen Partnern erprobt, wie z.B. Lernen gleich nebenan – VHS-Lerntreff „Behring24“ in Dresden. Einige Mehrgenerationenhäuser haben einen bezuschussten Sonderschwerpunkt Lesen, Schreiben und Rechnen.

Koordinierungsstelle

Eine Koordinierungsstelle für die Alphabetisierung und Grundbildung in Sachsen ist seit 2010 Bestandteil der landesseitig initiierten und mit Mitteln aus dem ESF und des Landes geförderten Alphabetisierungsmaßnahmen.

Träger der Koordinierungsstelle für Alphabetisierung und Grundbildung ist seit 2023 der Sächsische Volkshochschulverband.  Die vom Freistaat Sachsen und mit ESF-Plus-Mitteln im FZR zunächst von 2023 bis 2025 geförderte Koordinierungsstelle ALFAplus soll die Wirksamkeit von Lernangeboten im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung stärken. Sie leistet landesweite Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und trägt zur Qualitätsentwicklung sowie zu einer flächendeckenden Angebotsstruktur bei. ALFAplus übernimmt die Rolle einer zentralen Kontaktstelle, unterstützt den Fachaustausch, vernetzt Träger und bündelt wichtige Informationen. Die Fachstelle liefert darüber hinaus Impulse für eine strategische Weiterentwicklung der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit.

Highlights der landesweiten Informations- und Öffentlichkeitsarbeit:

  • Sensibilisierungskampagne „Das Größte für mich“ in den sozialen Medien bei Instagram, Facebook und auf der Website.
  • Teilnahme des SMK mit der Koordinierungsstelle ALFAplus auf der Leipziger Buchmesse
  • Weltalphabetisierungstag am 8. September mit sächsischen Gastronomiebetrieben
  • Präsentationen zur Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit für den Landesbeirat für Erwachsenenbildung, Fachtagungen zu finanzieller, politischer und gesundheitlicher Grundbildung
  • Sensibilisierung und Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
  • Beiträge in Rundfunk und Presse

Regionale Netzwerke

Mehrere regionale Netzwerke haben sich in den letzten Jahren gebildet. Die Vernetzungsarbeit wird durch die Koordinierungsstelle ALFAplus bzw. im ländlichen Raum zusätzlich durch die regionalen Grundbildungszentren und VHS ALFA gesteuert. Sie pflegen den Austausch mit Partnern und initiieren bedarfsgerechte Maßnahmen vor Ort. Die Sensibilisierungs- und Informationsarbeit erfolgt z. B.  in Behörden und Institutionen oder öffentlich in Verbindung mit Aktionen bei lokalen und überregionalen Veranstaltungen. Dazu holen sie sich auch die Unterstützung der Koordinierungsstelle und des ALFA-Mobils. In Sachsen gibt es einzelne aktive Selbsthilfegruppen. Ein Vernetzungs-Treffen von Lernenden ist gemeinsam mit den Koordinierungsstellen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt in Planung.

Lernbotschafter und Sensibilisierungskampagne

Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle sind Lernende aus Sachsen aktiv als Lernbotschafter in und auch außerhalb Sachsens unterwegs. Sie begleiten öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und kommen dabei mit Menschen über das Thema geringe Literalität ins Gespräch.

Seit 2024 läuft die Sensibilisierungskampagne „Das Größte für mich“, die für das Thema geringe Literalität sensibilisiert sowie Vorurteile und Stigmatisierungen gegenüber Betroffenen abbauen soll.

Dabei kommen eine Lernbotschafterin und mehrere Lernbotschafter aus Sachsen zu Wort, die selbst im Erwachsenenalter das Lesen und Schreiben gelernt haben. Sie erzählen ihre persönliche Geschichte und möchten anderen Menschen Mut machen, sich wichtigen Bezugspersonen aus ihrem Umfeld anzuvertrauen. Sie vermitteln die Botschaft: Ihr seid nicht allein, es ist nie zu spät.

Im ersten Teil der Kampagne spricht Enrico Bakán aus Dresden über sein Leben, mit welchen Mogelgeschichten er im Alltag nicht auffallen wollte und warum er sich dafür entschied, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Auch Martina ging es ähnlich. Ihren Kindern heute vorzulesen ist ein großes Geschenk für sie. Ein Geschenk, das sie sich selbst gemacht hat.

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